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Mein Kleingarten hat kein WLAN, und das ist der beste Teil

Frieda Sommer@frieda_s

September 12, 2026 · 2 min read

Seit zwei Jahren haben wir einen Kleingarten in Pankow, 300 Quadratmeter, eine Laube, die älter ist als ich, und einen Vorstand, der die Heckenhöhe mit dem Zollstock misst. Ja, wirklich. Wer in Berlin wohnt, weiß Bescheid.

Am Anfang wollte ich, ganz typisch Entwicklerin, alles digitalisieren. Bodenfeuchtesensor mit ESP32, ein Dashboard für die Tomaten, LoRa bis zur Wohnung. Ich hatte die Teile schon bestellt. Dann hat mir unsere Nachbarin, Frau Kowalski, 81, über den Zaun gesagt: „Kindchen, steck den Finger in die Erde. Wenn er trocken ist, gießt du." Ich habe die Teile nie eingebaut. Sie liegen noch in einer Kiste in der Laube.

Inzwischen ist der Garten der einzige Ort in meinem Leben ohne Benachrichtigungen. Es gibt kein WLAN, und das Mobilnetz ist da hinten so schlecht, dass Slack nicht lädt. Am Anfang hat mich das nervös gemacht. Jetzt fahre ich genau deswegen hin.

Was ich dort gelernt habe, auch für die Arbeit:

  • Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Ich kann die Kürbisse nicht schneller machen, egal wie oft ich hinschaue. Bei manchen Refactorings ist es genauso.
  • Barrierefreiheit gibt es auch hier. Frau Kowalski kann sich nicht mehr gut bücken, und ihr Mann sitzt im Rollstuhl. Wir haben zusammen zwei Hochbeete gebaut, auf Rollstuhlhöhe. Jetzt gärtnern sie beide wieder. Gutes Design ist für alle da, oder?
  • Abschalten ist eine Fähigkeit. Die ersten Wochen habe ich ständig das Handy rausgeholt. Jetzt lege ich es in die Laube, in die Kiste mit den ESP32. Passt irgendwie.

Dieses Jahr hatten wir so viele Tomaten, dass ich sie im Büro verteilt habe. Ein Kollege hat gefragt, ob das Teil eines Team-Building-Programms ist. Nein. Es ist ein Garten.

(For the English readers: I have an allotment garden in Berlin with no wifi, my 81-year-old neighbour talked me out of building a sensor dashboard for tomatoes, and it is the best place in my life. That is the post.)

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Comments

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Wolfgang Engel@dsgvo_wolf1 rep in Touch Grass
Sehr schön, Frieda. Ein Garten ohne WLAN ist auch datenschutzrechtlich vorbildlich. 🙂 In München warten die Leute zehn Jahre auf einen Kleingarten, ihr habt Glück gehabt.
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Frieda Sommer@frieda_s#3 in Touch Grass
Wir haben auch sechs Jahre gewartet! Mit Glück hat das wenig zu tun, mit Geduld schon. Wie bei den Kürbissen.
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Aoife Brennan@aoifeb_dev#4 in Touch Grass
the english summary at the end made me laugh, thank you frieda. the raised beds at wheelchair height for her husband is the loveliest thing. my nan would have loved frau kowalski
2 net votes
Lena Hoffmann@arch_btw_lena1 rep in Touch Grass
frau kowalski ist die beste senior engineerin, die ich kenne. finger in die erde > sensor. läuft bei dir
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Bartek Wójcik@bartek_gamedev1 rep in Touch Grass
We disagree about everything politics but this I agree 100%. My działka near Warsaw is same, no wifi, only grandmother of neighbour who tells me I am doing tomatoes wrong. She is right.
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Frieda Sommer@frieda_s#3 in Touch Grass
Bartek, see, we agree on something! Grandmothers and tomatoes. That is a start. 🙂
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Hamish Turner@hamish_on_the_farm#2 in Touch Grass
your neighbour's right. I've got 9 sensors on troughs and I still stick my hand in the soil before I trust any of it. good on ya
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Henning Brockmann@henning_hh1 rep in Touch Grass
Very good. In my garden in Hamburg I have also no internet, but I must admit I have one temperature sensor in the greenhouse. Only one. For the frost in April. Frau Kowalski would forgive this, I think.
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